Rainer Mund – Zur Person

Der Anfang
Ich bin jetzt 45 Jahre alt und angefangen hat vieles in Nürnberg vor fast 25 Jahren bei der deutschen Meisterschaft. Mir gut gesonnene Mitglieder haben mich als Handicap 3 Spieler kurzerhand dort angemeldet. Ich kannte niemand, spielte zum erstenmal Birdies und Eagles, lief also heiß und schlug somit alle damaligen Nationalspieler im Lochspiel. Obwohl ich mit meinem Topflite XL knapp im Finale verlor, fühlte ich mich als der eigentliche Sieger des Turniers und so wurde ich auch behandelt. „Der Griff nach den Sternen“ stand im damaligen Golfmagazin und mit der Zeit erspielte ich mir einen festen Platz in der Amateurszene.

Als Amateur
Ich wurde sehr bald in die Nationalmannschaft berufen und war bereits ’85 im Herren EM Team. Wir spielten in Schweden u.a. gegen Ryström und Parnevick. Auf den europäischen Turnieren habe ich so manche Runde mit Olazabal, Montgomery, Levet und Co. gedreht, die damals noch Amateure waren. Ebenfalls noch als Amateur gelang mir ein zunächst erfolgreicher erster Auftritt auf der European Tour. In der legendären Wasserschlacht von Bremen spielte ich zum erreichen des Cut die letzten neun Loch 5 unter PAR, sodaß Tommy Armour III mir nach der Runde dringend riet bald ins Profilager zu wechseln. Es kam aber zunächst anders: Wegen Nachputtens -was bei Amateurturnieren damals noch üblich war, bei den Profiturnieren aber bereits verboten, wurde ich disqualifiziert. Und wirklich Golfspielen konnte ich noch nicht. Erst ’90, als ich mehrere Turniere gewann und in Hanau nur knapp Bernhard Langer bei der „Nationalen Offenen“ unterlag, war ich gereift und gewann die deutsche Rangliste. In dem Zusammenhang war ich mitverantwortlich für ein notwendiges Erdbeben im DGV, als ich im Auftrag der Kaderspieler einen offenen Brief verfasste, dessen Veröffentlichung später zum ersten Leistungssportkonzept führen sollte. Auf mir lastete damals ein großer Druck.

Das Sportstudium
Entscheidend zu meiner Entwicklung hat mein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln beigetragen: Nach jeder neuen sportwissenschaftlichen Erkenntnis aus Vorlesungen und Seminaren -oft aus völlig anderen Sportarten- ging ich mit Hingabe auf den Platz und habe eine Trainingsform für mich als Golfer daraus gemacht. Aus der Theorie machte ich immer sofort und unmittelbar eine Praxis. Ich war so motiviert, dass ich jahrelang kein Stück Papier benötigte, weil ich alles im Kopf hatte: Technik, Taktik, Psyche und Kondition. Meine Diplomarbeit „Golftraining -am Beispiel der deutschen Amateurnationalmannschaft“ schließt mit dem Satz: „… wahren Leistungssport wird es in Deutschland nur geben, wenn die beiden Verbände DGV und PGA Hand in Hand arbeiten“. Das war 1991 –nach endlosem Drängeln meinerseits haben PGA und DGV vor einigen Jahren endlich eine Kooperation vereinbart.

Der Start als Playing Pro
Als bester deutscher Amateur war nun ein Weg als Profi in Sicht. Mit dem Ende des Studiums konnte ich die wohlwollende Unterstützung von Willi Hofmann als Trainer und Erwin Langer als Manager gut gebrauchen. Ohne sie wäre vieles kaum möglich gewesen. Sie haben das wohl getan, weil sie mich für fleißig, geschickt und konsequent hielten. Ich selbst habe mich zwar als fleißig, aber auch als reinen Instinkt- und Gefühlsspieler erlebt. Das kam dem Putten und auch den zahlreichen „Golftagen“ zugute, die ich für Golfclubs oder Wirtschaftsunternehmen abhielt um mir Geld für die Turnierteilnahmen zu verdienen. Also machte ich Drives mit dem Putter, Drives von den Knien, jonglierte mit brennenden Keulen, schlug Backspin mit dem Wedge und moderierte das Ganze auf meine niederrheinische Art. Dann kam das, was ich wirklich wollte: die Tour. Zum Glück erhielt ich neben den selbsterarbeiteten Turnierteilnahmen weitere Einladungen hinzu.

Das Leben auf der Tour
Nach zwei Jahren fühlte ich mich wohl und dazugehörig. Leider fehlten internationale Erfolge -in Deutschland lief es regelmäßig sehr gut, aber das reicht nicht aus. Ich biss mich fest, spielte zu viel, wurde unkonzentriert und brauchte eine Pause. Dann baute ich mich wieder auf. Nach etwa zwei Monaten ging dieser Kreislauf von vorne los. Was damals fehlte, war eine gute Jahresplanung. Es gab keine Trainerkultur, die das erkannte und ich selbst war wohl noch nicht so weit. Internationale Erfolge, also die in der Weltspitze, blieben aus. Zudem nutzt sich das Leben in Hotels sehr schnell ab. Selbst ein verregneter Novembertag bekommt ganz neuen Charme, wenn man vom achten Event der Asien Tour zurück nach Deutschland kommt. Und dennoch: Es war jedes Mal wunderbar, wieder loszuziehen und die besten Turnierplätze der Welt zu spielen und -wenigstens ab und zu- Kontrolle zu erleben, in einer Sportart, in der genau das so unglaublich schwer ist. Ich habe es immer als ein Geschenk betrachtet. Bei einem Tour-Turnier sind die Golfplätze natürlich komplett anders als in der restlichen Zeit des Jahres. Ein Handicap 3 Spieler wird auf einem solchen Golfplatz kaum unter 90 bleiben. Umgekehrt, sich an so schnelle Grüns gewöhnt zu haben, ist etwas Wunderbares. Und dann waren da die Begegnungen mit denen, die wirklich angekommen waren. Allen voran Bernhard Langer, aber auch Phil Michelson, Tom Watson, Refief Goosen und einige andere. Ich habe einmal mit Payne Stewart nach einer schlechten Runde in der Umkleide in Eichenried gesessen und eine Frust-Zigarette geraucht. Wir haben nicht gesprochen und sind, nach einem freundlichen zunicken, wortlos auseinandergegangen. Vor einigen Jahren zeigte ich bei einem Lehrgang in Düsseldorf ein Video über das Leben und Sterben von Payne Stewart. Für diese zwei Stunden war kein Training möglich.

Der Start als Trainer
Ich war des Reisens müde und als ich zum ersten mal Vater wurde, fiel mir trotz Spaß auf dem Golfplatz der Schritt ins Trainerleben leicht. Nach einem Jahr als „Teaching Pro“ in Neuss auf einer großen Anlage suchte der DGV zwei Nationaltrainer. Ich wurde mit der Formulierung „ich bewerbe mich für das Schaffen und Umsetzen jener Strukturen, deren Fehlen ich vor Jahren kritisiert habe“, zusammen mit Oliver Heuler, hauptamtlicher Nationalttrainer. Wir haben uns bemüht, systematisch das gesellschaftliche Ereignis Golf durch leistungssportliche Strukturen zu ersetzen. Meine nicht endenden Ideen wurden von Oliver aufbereitet und von uns beiden ins Land getragen. Was in dieser Zeit der Zusammenarbeit mit Oliver Heuler an Trainingshilfen und Inhalten entstanden ist, halte ich noch heute für die Basis, auf der Golf als Sport in Deutschland betrieben wird. Sei es die Einteilung in Technik, Taktik, Psyche und Kondition, das Leitbild für den „Neutralschwung“ im PGA Teaching Manual, das Curriculum der DGV Trainerausbildung, der Lehrbrief 8: "Golfpsycholgogie" oder das Scope Video-Analyse System, mit dem sogar Tiger Woods heute trainiert. Entsprechend riesig war der Effekt für alle Beteiligten: Martina Eberl (European Tour) und Betthina Hauert (European Tour), Sandra Gal (US Tour) und viele andere haben das Grundlagen- und Aufbautraining in dieser Zeit bei mir erlebt. Wir wurden auf Anhieb Vizeeuropameister und bereits zwei Jahre später in Finnland Europameister. Im Jahr danach wurden die gleichen Spielerinnen mit Peter König Vizeweltmeister bei den Damen. Ungefähr zu dieser Zeit mußte ich privat eine Katastrophe erleben: meine eigene Scheidung.

Als Herren Nationaltrainer
Es ist erstaunlich, wie man mit der Zeit an den Narben des Lebens auch wachsen kann. Ich denke es ist mir gelungen, meine positive Einstellung zu bewahren. So war es eine gute Entscheidung im Winter 03/04 die Betreuung der Herren Nationalmannschaft zu übernehmen. Die Herren waren in Europa auf den 15. Platz abgerutscht. Unter Ihnen waren u.a. Martin Kaymer (heute European Tour), Sean Einhaus (Amateur), Nico Meitinger (heute Challenge Tour), Benjamin Miarka (heute Challenge Tour), Stefan Gross u.v.a. Die vom DGV bis dato ausgemusterten Florian Fritsch (Amateur) und Max Kramer (heute Challenge Tour) habe ich angesprochen und wieder für die Nationalmannschaft gewonnen. Mit grossem Spaß habe ich daran gearbeitet, die wirklich außerordentlich talentierten Spieler nach vorne zu bringen. Nicht nur Martin Kaymer entwickelte sich zum Top Spieler. Viele andere haben von der leistungsorientierten Struktur profitiert, die ich erarbeitet habe. Mit Uli Zilg, Fanny Sunesson, Jens Dinser, Evi Kusch und Rolf Klöttschen hatte ich absolute Top Leute dazugeholt. In der darauffolgenden Saison wurden wir vierte bei der EM und kamen bei der WM in die Top Ten (leider wurde die letzte Runde wegen Regen just in dem Moment abgebrochen, als wir nur noch einen Schlag vom Podest weg waren). Im zweiten Jahr wurden wir Vizeeuropameister. Im A/B Kader hatte ich die Laufgeschwindigkeit nach dem ersten Jahr deutlich verschärft. Mit zahlreichen Ideen und neuen Trainingsformen erreichten wir den Durchbruch. Im einzelnen hatte ich den Wettbewerb der Kaderspieler untereinander massiv erhöht, die Spieler mit der „Erfolgsserie“ wesentlich druckstabiler gemacht, die Trainingsdestinationen verbessert, Fanny Sunesson fest in die Betreuung eingebaut und die Kooperation mit der PGA endlich geschafft (s.o. meine Diplomarbeit von 1990). Obwohl sie ins Profilager gewechselt waren, hatte ich Martin Kaymer und Benjamin Miarka innerhalb meines Etats zu unseren Massnahmen mitgenommen, und ihnen zuvor als Amateure die Qualifying School bezahlt, damit sie die Erfahrung des Profigeschäfts machen. Das war teuer und nicht wirklich erwünscht. Für mich hatte es eine gewisse kabarettistische Qualität, die nötigen Dinge trotzdem zu tun. Bald zeichnete sich die Trennung vom DGV. Ich ab hatte im Verband nicht mehr die Unterstützung, die nötig war, um meine Ziele zu erreichen.

Unabhängig
Nach einer Auszeit, viel Musik und einigen Jugendcamps gibt es seit Anfang 2008 das Rainer Mund Förderteam, eine Trainingsgemeinschaft. Im Golfteam sind Profis, Spitzenspieler und sportliche Talente, alle meinen es ernst und es sind nette Menschen -eine schöne Kombination. Im Golfclub Main-Taunus in Wiesbaden bin ich Mitglied des Trainerteams und helfe beim Nachwuchstraining. Ich engagiere mich wieder stärker in der Fortbildung der PGA und mache einige Seminare. Neben meiner Kolumne in der FAZ schreibe ich noch an einem Buch. Die gleichen Inhalte produziere ich auch als Film. Im Winter 2008/2009 hat die Zahl der von mir betreuten Spieler zugenommen. In der Saison 2009 werde ich wieder mehr unterwegs sein, jetzt auf Profiturnieren.